
Gerichtliche Entwicklungen eröffnen Spielern Wege zur Rückforderung von Verlusten bei unlizenzierten Anbietern

Mehrere Entscheidungen deutscher und europäischer Gerichte haben in den vergangenen Monaten die rechtliche Position von Spielern gestärkt, die vor dem Inkrafttreten des neuen Lizenzsystems im Jahr 2021 Verluste bei nicht lizenzierten Online-Casinos und virtuellen Automatenspielen erlitten haben, während das Oberlandesgericht Stuttgart im September 2025 einem Kläger mit einem Verlust von rund 10.000 Euro über die Plattform Tipico Games Recht gab und zugleich eine Revision zum Bundesgerichtshof zuließ, deren Entscheidung für Januar 2027 erwartet wird.
Die Ausgangslage vor dem Urteil des Oberlandesgerichts Stuttgart
Der Fall dreht sich um einen Spieler, der zwischen 2017 und 2020 über einen nicht lizenzierten Anbieter Beträge in Höhe von etwa 10.000 Euro verlor, und die zuständigen Richter in Stuttgart sahen in den damaligen nationalen Verboten eine Grundlage für zivilrechtliche Ansprüche auf Rückerstattung, weil die Anbieter ohne die nach dem Glücksspielstaatsvertrag erforderliche Erlaubnis tätig waren, während das Gericht gleichzeitig feststellte, dass die damalige Grauzone keine dauerhafte Rechtfertigung für die Geschäftstätigkeit darstellte.
Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom April 2026
Im April 2026 bestätigte der Europäische Gerichtshof in einem Verfahren, dessen Aktenzeichen mit C-440/23 in Verbindung gebracht wird, dass europäisches Recht nationale Verbote von Online-Glücksspielen und die damit verbundenen zivilrechtlichen Folgen nicht ausschließt, und diese Klarstellung ermöglicht es den nationalen Gerichten, weiterhin über Rückforderungsansprüche zu entscheiden, ohne dass EU-rechtliche Vorgaben dem entgegenstehen, während Beobachter darauf hinweisen, dass das Urteil die Tür für weitere Klagen öffnet.

Mögliche Auswirkungen auf Massenverfahren und den Markt
Rechtsexperten rechnen damit, dass die Kombination aus der Stuttgarter Entscheidung und dem EuGH-Urteil eine Welle von Rückforderungsklagen auslösen könnte, denn zahlreiche Spieler, die vor 2021 auf Plattformen wie Tipico Games aktiv waren, verfügen nun über eine verbesserte rechtliche Ausgangsposition, und Anwaltskanzleien haben bereits erste Sammelverfahren angekündigt, die sich auf die vor 2021 geltenden Verbote stützen, während das Verfahren vor dem Bundesgerichtshof als wegweisend gilt, weil eine höchstrichterliche Bestätigung die Durchsetzung weiter erleichtern würde.
Stand Oktober 2026 liegt die Entscheidung des Bundesgerichtshofs noch aus, doch die bisherigen Instanzen haben gezeigt, dass nationale Verbote auch nach dem Ablauf der Übergangsfrist zivilrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können, und Betroffene, deren Verluste in der Grauzone entstanden sind, prüfen derzeit verstärkt die Möglichkeit, Ansprüche geltend zu machen.
Rechtliche Rahmenbedingungen des Glücksspielstaatsvertrags
Der 2021 in Kraft getretene Glücksspielstaatsvertrag schuf erstmals ein einheitliches Lizenzsystem für Online-Casinos und virtuelle Automatenspiele in Deutschland, doch die vor diesem Datum geltenden Regelungen sahen ein Verbot ohne Ausnahme vor, und Gerichte prüfen nun, inwieweit Verluste aus dieser Zeit zurückgefordert werden können, während die Entscheidung des EuGH bestätigt, dass solche nationalen Beschränkungen mit europäischem Recht vereinbar sind.
Ausblick auf das Verfahren vor dem Bundesgerichtshof
Die für Januar 2027 erwartete Entscheidung des Bundesgerichtshofs wird zeigen, ob die Linie des Oberlandesgerichts Stuttgart bestätigt oder eingeschränkt wird, und Anwälte sowie Spielerverbände beobachten den weiteren Verlauf genau, weil eine positive Entscheidung für die Kläger die Grundlage für weitere Verfahren schaffen könnte, während Betroffene bereits jetzt Beratungsgespräche suchen, um ihre individuellen Möglichkeiten zu prüfen.
Fazit
Die genannten Gerichtsentscheidungen haben die rechtliche Situation für Spieler, die vor 2021 Verluste bei unlizenzierten Anbietern erlitten haben, deutlich verbessert, und die Kombination aus nationalen und europäischen Urteilen eröffnet neue Wege zur Rückforderung, während das anhängige Verfahren vor dem Bundesgerichtshof die endgültige Klärung bringen wird.